Freudenberg. Die Finanzlage der Stadt Freudenberg verschlechtert sich im laufenden Jahr weiter. Das geht aus dem „Bericht zur Finanzwirtschaft“ mit Stand 31. Juli hervor, den die Verwaltung dem Rat in seiner Sitzung am Donnerstag, 8. Oktober, vorlegt. Die Kämmerei rechnet darin für 2026 mit einem Jahresfehlbetrag von 7,68 Millionen Euro. Im Dezember hatte der Rat einen Haushalt mit einem geplanten Minus von rund sechs Millionen Euro beschlossen.
Ein Teil der Differenz ist buchungstechnisch bedingt: Rund 1,1 Millionen Euro stammen aus Mitteln, die 2025 nicht ausgegeben und ins laufende Jahr übertragen wurden. Doch auch gegenüber diesem fortgeschriebenen Plan fällt das Ergebnis um weitere gut 560.000 Euro schlechter aus.
Unternehmen zahlen weniger Gewerbesteuer voraus
Hauptgrund ist die Gewerbesteuer. Bei den Steuern insgesamt erwartet die Stadt bis Jahresende knapp 32 Millionen Euro statt der eingeplanten 35 Millionen Euro, ein Minus von gut drei Millionen Euro. Den größten Anteil daran hat laut Bericht die Gewerbesteuer. Etwas höhere Anteile an der Einkommen- und Umsatzsteuer gleichen den Ausfall nur teilweise aus.
Kämmerer Julian Lütz nennt auf Anfrage von Freudenberg Online die gesamtwirtschaftliche Lage als Ursache: Einige Unternehmen gingen von schlechteren Gewinnen aus und hätten deshalb ihre Gewerbesteuer-Vorauszahlungen herabsetzen lassen.
Das wiegt umso schwerer, als die Stadt den Gewerbesteuer-Hebesatz zum Jahresbeginn erst von 440 auf 480 Prozent angehoben hatte, die erste Erhöhung seit 2016. Allein das sollte rund 1,2 Millionen Euro zusätzlich bringen. Schon bei der Aufstellung des Haushalts hatte die Kämmerei gewarnt, die Planung unterstelle eine Entwicklung der Gewerbesteuer „auf anhaltend hohem Niveau“.
Zusätzlich muss Freudenberg mehr an den Kreis Siegen-Wittgenstein abführen als kalkuliert. Der Kreistag hat den Hebesatz der allgemeinen Kreisumlage im Mai auf 41,13 Prozent festgesetzt (2025: 36,01 Prozent). Die Stadt hatte in der Hoffnung auf einen moderateren Beschluss nur 39,5 Prozent eingeplant. Etwas Entlastung bringt die Jugendamtsumlage, die mit 26,74 Prozent niedriger ausfiel als befürchtet. Unterm Strich zahlt die Stadt für beide Umlagen 2026 rund 20,8 Millionen Euro an den Kreis, gut 2,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahresplan.
Keine zusätzlichen Sparvorgaben
Auf der Ausgabenseite fällt die Prognose günstiger aus: Insgesamt rechnet die Verwaltung mit rund 2,3 Millionen Euro weniger Aufwand als vorgesehen. Bei Sach- und Dienstleistungen etwa werden gut eine Million Euro weniger erwartet, beim Personal gut 400.000 Euro weniger, darunter geringere Stromkosten und weniger Reparaturen an Gebäuden und Infrastruktur. Den Einbruch auf der Einnahmenseite gleicht das aber nicht aus.
Weitergehende Sparvorgaben für den Rest des Jahres hat die Stadt nach Angaben des Kämmerers zunächst nicht gemacht. Damit wolle man vermeiden, dass sich laufende Maßnahmen weiter verzögern und dadurch noch teurer werden.
Wie schon im Haushalt vorgesehen, wird die Ausgleichsrücklage 2026 vollständig aufgebraucht. Den Griff in die allgemeine Rücklage beziffert Lütz nach derzeitigem Stand weiterhin auf rund 1,6 Millionen Euro, wie im Haushaltsplan vorgesehen.
Geld bereitgestellt, Auszahlung oft Jahre später
Auffällig ist die Lücke zwischen eingeplanten und tatsächlich ausgezahlten Investitionsmitteln. Zusammen mit nicht verbrauchten Mitteln aus den Vorjahren standen der Stadt 2026 rund 35 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Bis Ende Juli flossen davon gut drei Millionen Euro ab. Bis Jahresende rechnet die Verwaltung mit rund 18 Millionen Euro. Rund 17 Millionen Euro werden damit voraussichtlich auch in diesem Jahr nicht abgerufen.
Für einige größere Vorhaben weist der Bericht für 2026 noch keine oder nur geringe Auszahlungen aus, darunter der Ausbau der Siegener Straße, die Umgestaltung des Marktplatzes, Teile des Mobilitätsprojekts am Alten Flecken, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Alchen, mehrere Feuerwehrfahrzeuge sowie die Radwege Oberfischbach–Heisberg und Niederheuslingen–Oberfischbach.
Stillstand bedeutet das nach Darstellung des Kämmerers nicht. Mit dem Haushaltsplan stelle die Stadt zunächst das Geld bereit, damit sie überhaupt planen und Aufträge vergeben dürfe. Planungs- und Genehmigungsverfahren, vor allem wenn Fördermittel beantragt werden, dauerten jedoch lange. Zwischen der Bereitstellung der Mittel und der Auszahlung lägen deshalb teilweise mehrere Jahre. Im Finanzbericht stehe dann eine „0“, obwohl die Verwaltung bereits an der Maßnahme arbeite.
Bereits Geld geflossen ist unter anderem für die Grundsanierung des Freibads (rund 1,1 Millionen Euro, wir berichteten), den Radweg Alchen–Bühl, den Bürgerradweg Oberholzklau–Langenholdinghausen, den Ausbau von Oststraße, Rosenweg und Fürst-Moritz-Straße sowie für Maßnahmen an den Schulen in Büschergrund und Alchen.
Kurzfristig muss die Stadt durch die späteren Auszahlungen weniger Kredite aufnehmen. Die Kosten verschieben sich aber in die kommenden Jahre, mit dem Risiko steigender Baupreise und Zinsen.
Grundsteuer B soll 2027 steigen
Für die Bürgerinnen und Bürger dürfte vor allem der Ausblick auf 2027 spürbar werden. Die im Haushalt 2026 bereits angekündigte Erhöhung der Grundsteuer B werde er „aufgrund der katastrophalen finanziellen Situation“ für den Haushaltsplan 2027 vorsehen müssen, so Lütz. Die Steuererhöhungen sollen verhindern, dass Freudenberg ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen muss. Darüber entscheidet am Ende der Rat.